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Ich bleibe hier

Meiner Frau erzähle ich nichts. Meiner Tochter lese ich aus Grimms Märchen vor. Was ich tue? Ich schrieb es bereits: Drogenfahndung. Ein Begriff, mit dem jeder spätestens nach „21 Jump Street“ etwas anfangen kann. Aber in Wirklichkeit weiß doch niemand, was es bedeutet, ein Drogenfahnder zu sein. Das ist auch besser so, manches muss verborgen bleiben. Deshalb streife ich meinen Beruf wie einen Overrall in meinem Auto ab, jeden Tag, wenn ich das Ortsschild passieren, auf dem Braunschweig rot durchgestrichen ist. Ausradiert, als würde es ab dem Punkt dort kein Braunschweig, keinen Bahnhof, keine Junkies, keine Drogen mehr geben. 

Ade, aber das Scheiden tut weh. Was mich dazu treibt, nach Feierabend in einer Bar den Tag ausklingen zu lassen? Ich weiß es nicht, meine Frau weiß es nicht, meine Tochter weiß es nicht. Mein Psychologe verschreibt mir, meine Gedanken auf Papier zu bringen. Wäre der Psychologe etwas jünger, würde er einen Blog verschreiben. Doch zurück, ich bleiben in Braunschweig, lasse es klingeln und bimmeln. Finde nur mit Mühe zurück in die Heimat. Wie im Autopilot fährt mein Wagen vor die Haustür, gern hält er auch mal auf dem Gehsteig oder vor der Tür der Nachbarn. Die Beulen stören nicht, meine Frau ist besorgt, ohne Auto kein Job, wie soll ich denn nach Braunschweig kommen? Frauen machen sich häufig Sorgen. In meiner Sturm-und-Drang-Zeit hatte ich ein hübsches Ding, dass konnte nicht schlafen, weil es die ganze Nacht an morgen dachte. Da half nichts, der Film war in ihrem Kopf und lief täglich mit gleichen Horrorszenarien ab. Alle Eventualitäten wurden durchgespielt. Was mein morgen betrifft, gibt es gar nicht so viele Möglichkeiten, meist verspüre ich nur zu einem einen großen Drang.

15.11.12 15:32

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